Der Tod ist ein Meister aus Deutschland -Bilder aus Auschwitz

100_2517 100_2507 100_2515
 100_2518  100_2519  100_2521
 100_2526  100_2534  100_2535
 100_2543  100_2545  100_2547
 100_2570  100_2573  100_2583
 100_2588  100_2595  100_2602
 100_2627  100_2631  100_2628
 100_2655  100_2658  100_2662
 100_2674  100_2673  100_2683
 100_2695  100_2692  100_2717

Rudolph Höß : Kommandant in Auschwitz

Die ersten kleinen Transporte wurden durch Exekutions-Kommandos der Truppe erschossen. Während einer Dienstreise hatte mein Vertreter, der Schutzhaftlagerführer Fritzsch, zur Tötung Gas verwendet. Und zwar das Blausäurepräparat Cyclon B, das zur Ungezieferver­tilgung im Lager laufend gebraucht wurde und vorrätig lag. Nach meiner Rückkehr meldete er mir dies, und beim nächsten Transport wurde wiederum dies Gas benutzt. Die Vergasung wurde in den Arrestzellen des Blocks 11 durchgeführt. Ich selbst habe mir die Tötung, durch eine Gasmaske geschützt, angesehen. Der Tod er­folgte in den vollgepfropften Zellen sofort nach Einwurf. Nur ein kurzes, schon fast ersticktes Schreien, und schon war es vorüber. So recht zum Bewusstsein ist mir diese erste Vergasung von Menschen nicht gekommen, ich war vielleicht zu sehr von dem ganzen Vorgang überhaupt beeindruckt. Stärker erinnerlich ist mir die bald darauf erfolgte Vergasung von 900 Russen im alten Krematorium, da die Benutzung des Blocks 11 zuviel Umstände erforderlich machte. Es wurden einfach noch während des Entladens mehrere Löcher von oben durch die Erd- und Betondecke des Leichenraumes geschlagen. Die Russen mussten sich im Vorraum entkleiden und gingen alle ganz ruhig in den Leichenraum, da ihnen gesagt wurde, sie würden da entlaust. Der ganze Transport ging gerade genau in den Leichen­raum. Die Tür wurde zugeschlossen und das Gas durch die Öffnun­gen hineingeschüttet. Wie lange diese Tötung gedauert hat, weiß ich nicht. Doch war eine geraume Weile das Gesumme noch zu ver­nehmen. Beim Einwerfen schrieen einige »Gas«, darauf ging ein mächtiges Brüllen los und ein Drängen nach den beiden Türen. Diese hielten aber den Druck aus. – Nach mehreren Stunden erst wurde geöffnet und entlüftet. Da sah ich nun zum ersten Male die Gasleichen in der Menge. Mich befiel doch ein Unbehagen, so ein Erschauern, obwohl ich mir den Gastod schlimmer vorgestellt hatte. Ich stellte mir darunter immer ein qualvolles Ersticken vor. Die Leichen waren aber durchwegs ohne jegliche Verkrampfung. Wie mir die Ärzte erklärten, wirkte die Blausäure lähmend auf die Lunge, die Wirkung wäre aber so plötzlich und so stark, dass es nicht zu den Erstickungserscheinungen wie z. B. durch Leuchtgas oder durch allgemeine Luftentziehung des Sauerstoffs führe. Über die Tötung der russischen Kriegsgefangenen an und für sich machte ich mir da­mals keine Gedanken. Es war befohlen, ich hatte es durchzuführen. Doch ich muss offen sagen, auf mich wirkte diese Vergasung beruhi­gend, da ja in absehbarer Zeit mit der Massen-Vernichtung der Ju­den begonnen werden musste, (…)

(Auszug aus: Kommandant in Auschwitz: Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß; S. 126)