Der Betrieb im Wirtschaftsgeschehen

2.2.3 Anforderungen des Arbeitsplatzes[1]

Um feststellen zu können, welche Voraussetzungen ein Mitarbeiter für die Tätigkeit an einem bestimmten Arbeitsplatz mitbringen sollte, muss man die Gesamtanforderungen des Arbeits­platzes in Teilaufgaben zerlegen, und zwar in Bezug auf

– die Vielseitigkeit der Aufgabe,

– den Grad der Arbeitsteilung, also mit wie vielen anderen er zusammenarbeiten muss,

– die Häufigkeit, mit der bestimmte Aufgaben anfallen,

– den Sachmitteleinsatz, d.h. welche Werkzeuge, Maschinen etc. zur Erledigung der Aufgabe eingesetzt werden müssen.

Die Bewertung des Arbeitsplatzes kann nach verschiedenen Verfahren vorgenommen werden:

– summarisch: Die Arbeitsplätze werden komplett verglichen. Es ist ein grobes Verfahren, das dem Einzelnen – seinem Können und seiner möglichen Leistung – eventuell nicht gerecht wird.

– analytisch: Jede Tätigkeit am Arbeitsplatz wird einzeln registriert und nach den Anforderungskriterien des „Genfer Schemas“ gewichtet (s. Abb.).

„Genfer Schema der Arbeitsschwere“

 

  Können Belastung
geistige Anforderung X X
körperliche Anforderung X X
Verantwortung X
Umwelt X

Im Arbeitsbereich des Industriemeisters lässt sich sowohl das summarische als auch das ana­lytische Verfahren anwenden, um Arbeitsplätze zu beschreiben.

 

2.2.6 Gestaltung der Arbeitszeit

Ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenspolitik ist der flexible Einsatz der Arbeitskräfte, verbunden mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Der Betrieb muss, um konkurrenzfähig zu bleiben,

– möglichst hohe Maschinenlaufzeiten, d.h. die Maschinen sollten möglichst lange laufen, erreichen,

– den Einsatz von Arbeitskräften an Schwankungen der Nachfrage anpassen und

– Kundenwünsche berücksichtigen.

 

Aber auch die Mitarbeiter haben Wünsche:

– Je nach Lebensphase streben sie eine veränderte Lage der Arbeitszeit oder Arbeitsdauer pro Tag, Woche, Jahr oder eine Veränderung der Lebensarbeitszeit an.

– Sie möchten ihre Arbeitszeiten besser mit Freizeit- und Familienwünschen vereinbaren können.

Der Gesetzgeber ermöglichte durch entsprechende Gesetzesergänzungen verschiedene Flexibi­lisierungsmöglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung (Arbeitszeitgesetz, Teilzeit- und Befristungs­gesetz) und des Personaleinsatzes (Beschäftigungsförderungsgesetz).

Die heutigen Arbeitszeitmodelle haben in der Regel drei Grundprin­zipien:

 

 

 

1.Arbeitszeit-Grundmodell

– Gleitzeit = Der Arbeitnehmer kann seine Anfangszeit flexibel gestalten, er muss nicht zu einer bestimmten Zeit, z.B.7.00 morgens, anfangen und kann entsprechend länger arbeiten oder aber er kann sogar früher den Betrieb wieder verlassen. Es gilt aber eine sogenannte Kernzeit, z.B. 9.00 – 15.00 Uhr, in der der Mitarbeiter im Betrieb anwesend sein muss.

– variable Arbeitszeit

– Schichtsysteme = Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht.

2.Flexibilisierungsregeln (Regeln für die Abweichung vom Grundmodell)

– Gleitzeitspanne =

„1. Gleitzeitspanne ist der festgelegte Zeitraum vor oder nach der Kernarbeitszeit. Innerhalb der Gleitzeitspanne können Arbeitsbeginn und -ende bis zur höchst zulässigen Arbeitszeit von 10 Stunden täglich frei gewählt werden.
2. Der Beginn der Gleitzeitspanne wird grundsätzlich auf 7:15 Uhr, das Ende auf 18:30 Uhr festgesetzt.
3. Die in den Absätzen 1 und 2 getroffenen Regelungen gelten für Teilzeit- und Vollbeschäftigte gleichermaßen.“[2]

– Zeitguthaben = Damit ist gemeint, dass man eine bestimmte Menge an Stunden aufsparen kann, die man dann irgendwann abfeiern kann.

– Bezugszeitraum für ein Zeitguthaben (z. B. Woche, Monat, Jahr) = Hier wird festgelegt, wie lange man die angesparten Stunden sammeln kann.

3.Vertretungs-Organisation

– Jobsharing (zwei Mitarbeiter teilen sich einen Arbeitsplatz)

– flexible Schichtsysteme

(vgl. Textband „Betriebswirtschaftliches Handeln“)

 

2.2.7 Gestaltung des Arbeitsplatzes

Die Ergonomie[3] erforscht den Zusammenhang zwischen den Leistungsmöglichkeiten eines Menschen und der Beschaffenheit seines Arbeitsumfeldes, d.h., eine gute Arbeitsleistung hängt auch maßgeblich von der durchdachten und humanen Gestaltung des Arbeitsplatzes ab. Doch nicht nur bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes, sondern auch bei der Beschaffung von Maschinen, Werkzeugen, Geräten, Anlagen und Arbeitsmaterialien müssen ergonomische Gesichtspunkte beachtet werden. Geschieht das systematisch und von Anfang an, kann man spätere teure Korrekturen oder Umbauten vermeiden.

 

Beispiel: Wie lange kann ein Mensch bestimmter Größe, bestimmten Alters und von einem bestimmten Körpergewicht Lasten von 20 kg heben, ohne Schaden zu nehmen? Nach dieser Maßgabe kann man die Arbeit dem Menschen anpassen, z. B. durch Änderung der Arbeits­zeiten, durch wechselnde Tätigkeiten oder durch Installierung einer Hebevorrichtung.

Unter dem Begriff „Humanisierung der Arbeit“ werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die mit der Verbesserung der Arbeitsinhalte und der Arbeitsbedingungen zu tun haben.

Beispiel: Ein Mitarbeiter macht bei seiner Arbeit immer nur dieselben Handgriffe. Hier könn­te man durch Jobrotation, d.h. der Mitarbeiter macht nicht immer den selben Handgriff, sondern bekommt noch andere Aufgabe zu gewiesen, die Arbeitsaufgaben erweitern, abwechselungsreicher machen.


[1] Vgl. Textband der IHK, Geprüfte Mitarbeiter, Zusammenarbeit im Betrieb, S. 19ff, Bielefeld 2008

[2] http://www.gleit-zeit.de/gz/info_gleitzeitregelung.php

[3] Die Ergonomie ist die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern ergon (Arbeit, Werk) und nomos (Gesetz, Regel) zusammen. Es bedeutet frei übersetzt „Gesetzmässigkeit der Arbeit“. Zentrales Ziel der Ergonomie ist die Schaffung geeigneter Ausführungsbedingungen für die Arbeit des Menschen und die Nutzung technischer Einrichtungen und Werkzeuge, wobei neben der menschgerechten Gestaltung des Arbeitssystems (genauer des Arbeitsraumes) vor allem die Verbesserung der Mensch-Maschine-Schnittstelle zwischen Benutzer und Operateur (Mensch) und Objekt (Maschine) in einem Mensch-Maschine-System eine besondere Bedeutung besitzt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ergonomie

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